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Planungen zum Gewerbegebiet Zeller Berg

17.12.2020

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

aufgrund der besonderen Situation in diesem Jahr, kann ich Ihnen leider die wichtigen Informationen aus dem Rathaus nicht mit der Bürgernähe übermitteln, wie ich es gerne getan hätte. Daher möchte ich Ihnen auf diese Weise einen Überblick über die Vorgänge vermitteln.

Planungen zum Gewerbegebiet Zeller Berg


(Vorentwurf)

An der Abfahrt nach Üchtelhausen zwischen der Staatsstraße ST 2280 und der Schulstraße ist die Erschließung von Gewerbe, Misch und Wohnfläche geplant. Dies wurde bereits in den Bürgerversammlungen dieses Jahres vorgestellt. Dennoch gibt es einige Neuerungen, zum einen Aufgrund von berechtigten Bedenken, zum anderen wegen des weiteren Fortschrittes der Überlegungen:

Ein fester Investor steht bereit, der an dieser Stelle in einen Nahversorger mit Getränkemarkt und Stehkaffee investieren möchte. Ein Vorkaufsrecht wurde diesem per Gemeinderatsbeschluss bereits zugesichert. Ebenso hat ein Projektentwickler aus dem Bereich „altersgerechter Wohnraum“ ernsthaftes Interesse angemeldet. Dieser plant nicht einfach ein Standartgebäude wie in solchen Fällen üblich, er hält das sogenannte Haupthaus mit Pflegebereich und Stationärer Versorgung kleiner und ermöglicht vielmehr das eigenständige Wohnen in kleinen Wohneinheiten rund um dieses Hauptgebäude. Dieses würde dann erst von denjenigen in Anspruch genommen werden, wenn das selbstständige Wohnen nicht mehr möglich ist. Somit wäre die Entscheidung für diese Wohnform etwas leichter und es wäre so zusätzlich ein fließender Übergang zur Wohnbebauung gewährleistet. Zusätzlich haben diverse Firmen Interesse an weiteren Grundstücken angemeldet. Zu erwähnen wären hier ein Überlegungen in Richtung Gebrauchtmöbelmarkt, ein Fliesen-Fachgeschäft mit Ausstellungsfläche und auch ein Servicebetrieb.

Ein solches Vorhaben ist sicherlich mit Beeinträchtigungen verbunden. Zum einen für die Anwohner, die dieses Gebiet vor Ihren Türen haben, zum anderen stellt es einen Einschnitt in die Natur in Form von Flächenversiegelung dar. Solche Überlegungen sind durchaus berechtigt und gerade hier wurden in der Vergangenheit viele Fehler gemacht und genug Raubbau betrieben. Daher werden im Falle der Gemeinde Üchtelhausen bewusst Ackerflächen gewählt, welche mit der niedrigsten Bonität versehen sind, einem sogenannten Grenzertragsboden. Die Flächen wurden bisher landwirtschaftlich genutzt und stellen keinerlei Biotopcharakter oder ähnliches dar. Wir sind in enger Absprache mit dem Landratsamt und werden gemeinsame Ersatzlösungen erarbeiten. Auch ich bin bestrebt, der Natur den nötigen Ausgleich zu verschaffen, mit für die Biodiversität hochwertigen Projekten, z.B. Flächen in Form von Feuchtbiotopen, Renaturierung von Bachläufen, Streuobstwiesen o.Ä.

Das Gewerbegebiet dient in unserem Falle einzig und allein der Daseinsvorsorge. Es werden Defizite in der ärztlichen, altersgerechten und Grundversorgung in Angriff genommen. Zusätzlich werden Einnahmen generiert und es entstehen neue Arbeitsplätze. Es wird nicht nur die Attraktivität der Gemeinde gesteigert, sondern vielmehr die Lebensqualität. Es wird nicht mehr einmal die Woche der Kofferraum voller Lebensmittel und Getränke gekauft, sondern die Versorgung ist direkt vor Ort. Zudem wird neuer Wohnraum entstehen. Durch die Schaffung attraktiver Angebote im gewohnten Umfeld wird der Umstieg auf altengerechtes Wohnen, sobald dieser notwendig und gewünscht ist, für Betroffene einfacher. So kann im Umkehrschluss wieder Wohnraum für die jüngere Generation entstehen, nach dem Grundsatz Innen vor Außen. Damit unsere Ortskerne genauso belebt bleiben, wie Rand- und auch Neubaugebiete.

Es werden keine großen Logistikhallen entstehen, mit wenigen Arbeitsplätzen und großem Flächenverbrauch.

 

Verkehrsanbindung

Um das Gewebegebiet anzubinden ist ein Kreisverkehr an der ST 2280 angedacht. Dieser Kreisverkehr könnte man sicherlich als Hindernis ansehen. Doch was wäre die Alternative? Dass es immer wieder zu brenzligen Situationen und Unfällen bis hin zu schweren Unfällen kommt, hat die Vergangenheit an den beiden vorhandenen Kreuzungsbereichen nach Üchtelhausen und Zell mehr als bewiesen. Ein weiteres Problem stellte schon immer der Übergang über die Staatsstraße für Fußgänger und Radfahrer dar. Meiner Meinung nach könnte hier der Kreisverkehr dauerhaft eine Lösung schaffen. Zudem dient ein Kreisverkehr nachweislich dem Verkehrsfluss im Vergleich zu den Kreuzungsbereichen. Die Unterstützung des Staatlichen Bauamtes, und nur dadurch wäre dieser Eingriff in eine Staatsstraße möglich, wäre gesichert, wenn beide Kreuzungsbereiche zusammengelegt würden. Der Vorteil wäre somit, dass zwei bekannte Gefahrenstellen in Zukunft entschärft werden und wir einen gesicherten Übergang erreichen. Zudem gewinnt das Gewerbegebiet an Anziehungswirkung, was die Anbindung betrifft und ermöglicht uns Zugang zu attraktiven Investoren.

Gemeindeverbindung nach Zell

Beim Thema Kreisverkehr ist automatisch die Anbindung des Gemeindeteiles Zell mitbetroffen Hier wurden Überlegungen angestrebt, diese neu auszulegen und anstelle der bestehenden Straße eine neue weiter südlich in Verlängerung der Verbindung zum ehemaligen Rot-Kreuz Heim zu realisieren. Auch dies wäre mit einem erheblichen Eingriff und einer Veränderung der Landschaft verbunden.

Dennoch gibt es einige Gründe um dies in Erwägung zu ziehen:

Es würde am Ortsausgang Zell Richtung Schweinfurt, so weit im Süden wir möglich, die Straße angeschlossen. Auch an dieser Stelle ist ein sogenannter Kleinkreisel angedacht. Somit wäre die Ortseinfahrt verkehrsberuhigter und die Lärmentwicklung für die Anwohner bestmöglich minimiert. Im unteren Bereich wäre die Verbindungsstraße zu einem großen Teil über den Ausbau eines bereits vorhandenen, versiegelten Wirtschaftswegs realisierbar Von dort würde ca. 1/3 der Gesamtlänge dann über landwirtschaftliche Nutzflächen bis zur Staatsstraße führen. Dieses wären zwar neue versiegelte Flächen, die bestehende Verbindung würde jedoch um eine fast identische Länge umgehend zurückgebaut. Ein wie gesagt sicherlich nicht unerheblicher Einschnitt, jedoch mit den zugesicherten Ausgleichsmaßnahmen der Alternative vorzuziehen.

Diese bestünde darin, die jetzige Anbindung über das Sportheim auszubauen, was leider in der notwendigen Art und Weise nicht möglich ist. Der Kurvenbereich auf Höhe des Schießhügels kann nicht normgerecht ausgebaut werden, wodurch eine Nutzung durch den ebenfalls in der Neustrukturierung befindliche Nahverkehr nicht möglich wäre. Links und rechts dieser Trasse befinden sich Biotopflächen, in die ein Eingriff so gut wie unmöglich ist. Eine Bezuschussung des Straßenbauamtes würde auch keine in Aussicht gestellt, da kein normgerechter Ausbau möglich ist. Zudem sollte die Anbindung an die ST 2280 auf den bereits erläuterten Kreisverkehr erfolgen, was zu einer erheblich längeren Trasse und einer umständlichen Streckenführung um den Ort herumführen würde.

Ein weiterer Ausbau in Richtung A71 ist durch eine Machbarkeitsstudie erwiesenermaßen unwirtschaftlich und wird so auch nicht weiterverfolgt. Dies wurde so auch den Nachbarkommunen kommuniziert. Zudem werden, zusammen mit der Jagdgenossenschaft, Lösungen erarbeitet, den jetzigen illegalen Verkehr einzudämmen. Die Wege sind hierfür nicht ausgelegt und sind der Land und Fortwirtschaft, sowie den Radfahrern und Fußgängern vorbehalten. Für jegliche weitere Nutzung kann seitens der Gemeinde keine Verkehrssicherungspflicht übernommen werden. Es ist somit nicht nur für sie selbst, sondern vielmehr für weitere Verkehrsteilnehmer gefährlich, solche Verkehrswege zu nutzen.

Öffentlicher Nahverkehr

Durch eine funktionierende Querverbindung ergibt sich ein erheblicher Vorteil in der Planung des Nahverkehres. Mit den Planern im Landratsamt fand ein Intensiver Austausch statt und auch von dieser Seite kam absolute Zustimmung. Es würde sich die Möglichkeit einer Verbindung der jetzigen Linien, einmal von Maßbach und einmal von Richtung Bad Königshofen kommend, ganz im Süden unserer Gemeinde ergeben. Diese könnten dann an einem Verkehrsknotenpunkt im Gewerbegebiet Zeller Berg angeschlossen werden. Es könnten so zwei Linien in entgegensetzte Richtungen die Gemeindeteile Anfahren. Im Ergebnis wären so eine kürzere Frequentierung der Haltestellen und direktere Verbindungen der einzelnen Gemeindeteile möglich. Zudem wäre eine Schnellbuslinie (ähnlich einer Stadtbuslinie) aus der Stadt heraus über Üchtelhausen, den Verkehrsknotenpunkt und Zell zurück nach Schweinfurt z.B. an den Bahnhof möglich. Durch den bereits heute schon spruchreifen zukünftigen Verkehrsverbund mit den Stadtwerken bis nach Bad Kissingen und Bad Königshofen könnten sämtliche Haltestellen genutzt werden.

Auch wenn es für viele, die sich an das Auto gewöhnt haben etwas schwer vorstellbar sein mag, so ist ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr ein Grundbedürfnis. Gerade für Jugendliche ist dies ein großes Argument, in einer Region zu bleiben. Ein funktionierender Nahverkehr kommt z.B. Vermietern zugute, deren Wohneinheiten wesentlich attraktiver für Pendler werden. Für Studentinnen und Studenten wäre so die Möglichkeit gegeben, auf dem Land zu wohnen. Aber auch die älteren unter uns, die sich beim Autofahren nicht mehr so sicher fühlen, wird Mobilität und somit ein Stück Lebensqualität erhalten. Vielleicht entscheidet sich am Ende sogar der Zweitwagenbesitzer dazu, eines seiner Fahrzeuge aufzugeben. Ein nicht unerhebliches Einsparungspotenzial, was nicht zuletzt jüngeren Familien zugutekäme.

Die Vorteile für die Umwelt durch die Verkehrsreduktion und daraus resultierende Entspannung auch in der Stadt (z.B. durch Wegfall der lästigen Parkplatzsuche) liegen auf der Hand. Ein Prozess, der nicht gleich von heute auf morgen eintreten wird, auf den man sich aber sicherlich einlassen kann und der zudem einen erheblichen Beitrag zu der absolut notwendigen Verkehrswende leisten kann.

Zusammenfassend bin ich davon überzeugt, dass sich unsere Gemeinde Üchtelhausen durch diese Maßnahmen erheblich weiterentwickeln könnte. Nur wenn wir uns weiterentwickeln, können wir unsere gesamte Infrastruktur erhalten und ausbauen. Ich denke dabei an unsere Grundschule, an die Kindergärten, an die Spielplätz, an die Kanal- und Straßensanierungen, an den Ausbau des Mobilfunks und des Breitbandes. Diese Liste könnte man noch viel viel weiterführen. Man darf dabei nie vergessen, dass das Eine in das Andere greift. Im Grunde geht es darum unsere Handlungsfähigkeit zu erhöhen und unsere Daseinsvorsorge zu sichern.

Lassen Sie uns daher bitte diese Überlegungen gemeinsam in Angriff nehmen und vor allem nicht durch rein private Interessen von vorherein schlecht reden. Lassen sie uns bitte mit, statt übereinander sprechen. Es ist sicherlich noch nicht das letzte Wort gesprochen und ich bin gerne bereit berechtigte Einwände in die Planungen, wie bereits in der Vergangenheit geschehen, einfließen zu lassen.

Ihr Bürgermeister

Johannes Grebner

 

 

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